Tomatenmozart hat geschrieben:Jou,
schön, dass es schlichte Zeitgenossen gibt, die sich wegen eines falsch geschriebenen Buchstabens so aufgeilen können.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit welcher Chuzpe du andere als dumm und schlicht titulierst, während deine eigene Ahnungslosigkeit eigentlich nur noch von deiner selbstgerechten Überheblichkeit übertroffen wird.
Du hast Bandera nicht als Baldera bezeichnet, weil du dich verschrieben hast, sondern weil du ebenso wie der Putintroll von der historischen Figur schlicht keine Ahnung hast. Ich übrigens auch wenig und ich will den auch gar nicht verteidigen. Aber ich kann dich gerne mal meiner Nachbarin vorstellen, die ist Ukrainerin und was die so über Bandera zu erzählen weiß, geht halt weit über das Bild des ukrainischen Nazis, das in erster Linie von Russland verbreitet wird, hinaus. Falls es dich wirklich interessieren sollte, lies mal den von Local Zero verlinkten Twitter-Thread durch, der bringt Bandera und unsere Haltung dazu hervorragend auf den Punkt. Unter anderem:
Meine polnische Bekannte Agnieszka, deren Mutter als kleines Kind von der UPA fliehen musste, hat zu mir folgendes gesagt: die Verehrung von Bandera werde ich niemals akzeptieren. Über all das werden wir diskutieren – sobald die Ukraine gewonnen hat. Wir kritisieren seit Jahren eure Bandera-Verehrung, aber jetzt stehen wir an eurer Seite. U.a. dadurch ist die polnische moralische Autorität in der Ukraine viel höher als die deutsche. Sie hat bereits Wirkung gezeig., Man muss Agnieszkas Haltung nicht teilen und sagen: ich widerspreche immer, wenn Verbrechen geleugnet werden. Wichtig ist die Art und Weise und die Berücksichtigung des Kontexts. Beschimpfungen und der berüchtigte moralische Zeigefinger der Deutschen bringen uns nicht weiter.
Wenn man also Melnik wegen seiner Parteinahme für Bandera und der Leugnung der diesem zugeschriebenen Verbrechen kritisiert - was absolut legitim ist – dann sollte das halt nicht reflexhaft erfolgen sondern schon etwas Substanz haben und im geschichtlichen Kontext verankert sein. Vor allem sollte man sich gerade als Deutscher hüten, den Ukrainern die Deutung ihrer eigenen Geschichte rundherum abzusprechen. Das nämlich wäre Ausdruck einer überheblichen postkolonialistischen Haltung, wie sie gerade in Teilen der vermeintlich friedensbewegten deutschen Intellektuellen immer wieder aufscheint. Gott sei Dank käme dir so etwas nie in den Sinn.
"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."