@airwin: Deine Kritikpunkte zur Planlosigkeit der Politik und zur Isolation Deutschlands in der EU sind ja durchaus gerechtfertigt. Nur, die Flüchtlinge sind imo nicht die Verantwortlichen.
Wir können uns darüber unterhalten, wieviel Zuwanderung unsere Gesellschaft verkraften kann. Das ist das Eine. Aber Flucht ist nicht automatisch Zuwanderung. Kann sie werden, wird auch in großen Teilen so der Fall sein. Aber Flucht ist erst einmal etwas anderes. Niemand verlässt seine Heimat, Familie, Freunde, kurz, das ganze soziale Umfeld, weil er sich so sagt, „heute möchte ich mal flüchten“. Da stecken ganz existentielle Probleme dahinter. Ich denke, das siehst du genauso.
Meiner Meinung nach kann man Flucht nicht mit Einwanderung vergleichen. Für einen Einwanderer kann ich einen Katalog erstellen, welche beruflichen Fähigkeiten er mitbringen sollte, Deutschtkenntnisse etc. Für einen Flüchtling gilt dies nicht. Denn hier handelt es sich um Nothilfe. Seine skills sind egal, es geht darum, sein Leben und seine Unverletzlichkeit zu schützen. Das sind die entscheidenden Kriterien. Auch hier, so denke ich, sind wir uns zumindest in der Theorie einig. Man lässt Menschen, die um Hilfe bitten, nicht einfach verrecken.
Wenn du anderer Meinung bist, kannst du dir den Rest sparen, denn meine Argumentation fußt auf dieser Grundlage.
In der EU leben etwa 800 Millionen Menschen. In Syrien etwa 20 Millionen. Selbst wenn diese sich alle auf den Weg machen, wäre es für Europa kein Problem, sie aufzunehmen. Das wäre ein Bevölkerungszuwachs von ungefähr vier Prozent. Das verkraften Gesellschaften und Volkswirtschaften eigentlich locker. Zumal nicht alle auf einmal kämen, sondern über Jahre verteilt. Theoretisch.
Praktisch sieht das ganz anders aus. Diese Leute brauchen Wohnraum, Ausbildung, Jobs, Sozialleistungen etc. und sie müssen auf die verschiedenen EU-Länder verteilt werden. Diese Fluchtbewegung muss also finanziert und organisiert werden. Hier liegt so ziemlich alles in Argen. Das hast du klar erkannt. Die Antwort auf diese Fragen kann jedoch nicht lauten: Dann sperren wir die Flüchtlinge eben aus. Denn die Folge ist, dass wir einen guten Teil der Flüchtlinge aus Egoismus einfach verrecken lassen. Genau das fordern AfD, die ungarische oder polnische Regierung und andere.
Sie fordern dies, um an den herrschenden Strukturen nichts ändern zu müssen, denn zum einen profitieren sie davon und zum anderen wollen sie es gar nicht. Zwar nennt sich die AfD Alternative, doch sie verfolgt die gleiche knallharte neoliberale Sparpolitik wie SPD, Grüne und CDU auch. Sie setzt nur noch einen kleinen Klacks Unmenschlichkeit darauf. Wenn ich es zynisch sehe, so gebe ich dir recht, dann macht das auch nichts mehr aus. Ich bin jedoch nur Hobbyzyniker und im Ernstfall kneife ich den Schwanz ein.
Die AfD setzt auf ein „weiter so“. Weiter so mit sozialer Ungerechtigkeit, weiter so mit ungleichen Bildungschancen, weiter so mit Diskriminierung, weiter so mit der Rettung vermeintlicher Eliten, weiter so mit der Einschränkung bürgerlicher Rechte, weiter so mit der Überwachung. Darin unterscheidet sie sich in nichts von den etablierten Parteien. Zusätzlich bietet sie nur noch die deutsch-nationale Karte. Darauf springen die anderen Parteien jetzt auch an. Vor allem CDU/CSU und der Fette.
Nun magst du einige der oben genannten Punkte vielleicht für überlegenswert halten, jedoch findest du diese bei den anderen Parteien auch. Es bleibt nur dieses „Ausländer raus“. Und um nichts anderes geht es. „Ausländer raus“. Das ist das Programm. „Deutschland den Deutschen!“ „Kauft keine ausländischen Bananen.“
Du bist ja nicht blöd und durchschaust dieses Spielchen und trotzdem willst du es mitspielen?
Es gibt die Möglichkeit aufgrund der Flüchtlingskrise, und es ist tatsächlich eine Krise, endlich einmal mit vielen gesellschaftlichen Lügen, mit denen man sich die vergangenen 30 Jahre arrangiert hat, aufzuräumen. Das wird nicht getan. Es wird ein „weiter so“ auf die eigenen Kosten gefordert. Und an allem ist der Neger schuld. Da sind sich inzwischen die meisten bürgerlichen Parteien einig. Das ist noch lange kein Grund, den Vorreiter dieser These zu wählen.
Die soziale Frage gehört wieder in den gesellschaftlichen Diskurs und sie gehört tatsächlich mit der Flüchtlingsfrage verbunden, aber nicht so, wie es sich die Parteien einschließlich der AfD vorstellen. Es kann nicht sein, dass Armut auf der einen Seite und der Reichtum weniger immer weiter zunehmen. Dieses Land ist reich genug, um allen ein sorgenfreies Leben , genügend Bildung ein eine ordentliche Infrastruktur zu finanzieren. Wer was anderes behauptet, lügt.
Ja, du schüttelst den Kopf: „Die ollen Kamellen“. Ja, sie sind alt, aber sie sind wichtig. Mich kotzt es doch auch an, euch euren Kapitalismus® retten zu müssen.

Zur Isolation Deutschlands: Vollkommen richtig, doch die existierte auch schon vorher. Nur war Deutschland bisher aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke oftmals in der Lage, die kleineren EU-Länder zu erpressen. Und die zahlen es jetzt heim. Ein schönes Beispiel dafür ist Griechenland. Varoufakis Stinkefinger wurde jetzt auf die politischen Realitäten übertragen. Selbst schuld. Damit hat der Syrer nichts zu tun. Die Fehler liegen vor allem in der Vergangenheit.
@darkred: Hast du auch Argumente? Studien belegen, dass etwa 30 Prozent aller Deutschen zum Rassismus neigen. Ein Beispiel:
http://research.uni-leipzig.de/kredo/Mi ... ternet.pdf. Aber interessiert dich vermutlich nicht. Hauptsache Vorurteile pflegen. Dabei hast du in einigen Punkten recht.
Demokratie ist für dich nur alle vier Jahre wählen. Da hast du etwas nicht ganz begriffen. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten.
Aber dein Ton und deine Selbstherrlichkeit nehmen mir jede Lust, mit dir weiter zu kommunizieren.
@sturgtr: Weitermachen. Man darf sich ruhig auch mal aufregen, auch wenn es der hier versammelten alten Sackschaft übel aufstößt.

PS: @crastro will nur spielen. Musst du nicht mitmachen, wenn du keine Lust hast.