Auswurf hat geschrieben:im prinzip voll Deiner meinung Gipsy,
aber ich denk da gar nicht mehr dran mich rechtfertigen zu wollen.
Fühle mich schlicht nicht angesprochen.
Es gibt keine sippenhaft, nur ne völlig individuelle haltung
ich definiere mich wenig über mein geschlecht.
Bin halt ein mann.. und jetzt?
Deswegen fühl ich mich doch nicht automatisch "auf der anderen seite".
musik ist musik
blume ist blume
rechts ist rechts und links bleibt links.
schniedel hin oder her
Ich sehe in dieser Art zu denken eher einen der Hauptgründe, warum wir mit der Gleichberechtigung fernab von Quotendiskussionen und Symbolpolitik nicht weiterkommen.
Aber zuerst einmal: ja, natürlich: jeder Mann ist anders und ein Individuum. Und Sippenhaft ist keine legitime und faire Art mit Männern umzugehen.
Dennoch, wenn wir uns vorstellen, jede Art von Kritik an "Herrschaft mit menschenfeindlichen Nebenwirkungen", sei es durch Völker, Nationen, Sippen, Geschlechter, Kulturen usw., wäre später mit dem Argument weggebügelt worden, dass ja keiner etwas für die schlimmen Auswüchse könne, jeder ein Individuum sei und "Sippenhaft" nicht zulässig, dann wäre keine Gemeinschaft jemals bereit gewesen für das Unwesen, welches durch ihr direktes oder auch nur indirektes Mitwirken oder auch nur durch wegschauende Duldung geschehen konnte, Verantwortung zu übernehmen.
Will sagen: es gibt auch noch etwas zwischen Sippenhaft und "ich bin so individuell und habe mit nichts etwas zu tun". Was unser Land betrifft, haben wir ja auch einen Umgang gefunden, bei dem sich niemand heute noch individuell schuldig fühlen muss, wir uns aber im Kollektiv auch nicht wegducken, sondern zu unserer Geschichte eine verantwortungsbewußte Position aufgebaut haben, die es anderen Völkern erlaubt, mit uns darüber zu reden.
Und etwas ähnliches wünschte ich mir von Männern. Wir Frauen sind nunmal weiterhin z.B. männlicher Gewalt ausgesetzt - bitte mal die Statistiken anschauen, die sind nach wie vor erschreckend. Nicht jeder Mann muss sich dafür schuldig fühlen, aber vielleicht kann ich erwarten, dass sich jedes männliche Individuum trotzdem für diese Art von vielschichtig gelagerten Problemen interessiert und uns Frauen solidarisch beisteht.
Und dieser Beistand sollte sich bitte nicht in Symbolhandlungen erschöpfen, wie beispielsweise eine Quotenfrau in einem DFB-Beratergremium. Das empfinde ich als klassische Beschreibung von Gratismut. Kostet niemanden etwas und übertüncht nur für einen kurzen Augenblick die realen Probleme. Es wäre schön, wenn mit demselben Enthusiasmus, mit dem man Frauen als Diversityphänomen betrachtet (ich hoffe es ist jedem klargeworden, wie grotesk das ist, wir sind 50% der Weltbevölkerung und keine kleine, einzubindende Randgruppe), sich für ein gleichberechtigtes Miteinander im Alttag einsetzt und diesen Geist auch lebt.
Ich hatte mir jetzt überlegt, ob ich überhaupt noch etwas dazu schreibe, weil das Threadthema ja ein anderes ist. Habe mich jetzt aber offensichtlich dafür entschieden, weil ich das wichtig finde und entschuldige mich trotzdem parallel bei denen, die es eventuell nervt.