Die Antwort darauf liegt doch auf der Hand. Beiden, sowohl den Ultras als auch dem Hausmeister, geht es nicht um den VfB, sondern schlichtweg - und inzwischen auch nicht mehr groß verschleiert - um Eigeninteressen, um sich selbst.
Der schlingernde "Unternehmer" brauchte vor den immer tiefer werdenden Rissen seiner beruflichen Existenz ein neues finanzielles Standbein und hat die Chance genutzt, sich als Parasit an den VfB zu heften. Dass er als erster Präsident Fans und Aktiven, also auch vielen Familien, deren Kinder dem großen Traum Sportprofi zu werden hinterherjagen, Mitgliedsbeiträge aus den Taschen zieht und in die eigene steckt, das ist kein Zufall. Dass er nun zusätzlich als Aufsichtsrat für seine Nichtleistung entlohnt werden möchte, das ist dasselbe Spiel in einer anderen Farbe.
Wie es dazu kommen konnte, dass wir eine Ich-fixierte verkrachte Existenz durchfüttern? Ganz einfach:
Vogt wusste, wen er auf seine Seite ziehen muss. Und wie. Und zwar die organisierten Fans, die sich den Umstand, dass wir bis heute im Mittelalter leben und eine Stimmabgabe für alle Mitglieder nicht per Online-Abstimmung ermöglichen, zunutze machen. Selbst die großen Parteien haben es geschafft, während Corona ihre Bundestagswahllisten auf diese Art und Weise zu bestimmen - und das bei deutlich viel mehr Mitgliedern (zum Vergleich: Selbst die eher kleinen Grünen haben 125.000 Mitglieder, der VfB hingegen nur um die 75.000). Anschließend wurden diese Ergebnisse dann per Briefwahl abgesegnet, mittels derer die zuvor per Onlinevoting getroffenen Beschlüsse satzungskonform en bloc bestätigt wurden.
Dass dies beim VfB nicht möglich ist, liegt auch daran, dass das nicht im Interesse der korrupten Clique um Claus Vogt liegt, die sich auf genau eine Art und Weise an den Fleischtöpfen festklammern kann: Indem sie gemeinsame Sache mit den Ultras macht, die ihre Leute zur MV treiben. Auch, weil sie ihr Besserfansein häufig als zentralen Lebensinhalt sehen, wohingegen die große Mehrheit der normalen Fans ein echtes Leben führt und so nicht mal eben alles absagen kann, um einer MV beizuwohnen.
Das alles wusste Vogt während seiner Kandidatur und hat sich mit den Ultras und den relevanten VfB-Blogs (von denen einige heute nichts mehr davon wissen wollen, wie sei Vogt ins Amt geschrieben haben) gut gestellt. Den Ultras hat er versprochen, dass ihre zentralen Anliegen, die oft der Sicherung des eigenen Status dienen (50+1, erleichterte Einlasskontrollen, Kartenkontingente) erfüllt, wenn sie ihn im Gegenzug ins Amt hieven und anschließend dort halten. Dies ist geschehen, im Vorfeld der legendären Wiederwahl-MV war das offen zu sehen. Dort wurde mit Abwahl all jener Mitglieder der Gremien gedroht, die eine Wiederwahl Vogts verhindern wollten (etwa der Beirat, der lange überlegt hat, Vogt nicht wieder aufzustellen).
Die Drohung wirkte Wunder: Aufgestellt wurde angesichts der offensichtlichen Mehrheitsverhältnisse der Sonnenkönig und, um den Anschein einer demokratischen Entscheidung zu wahren, eine ungefährliche Witzfigur als Zählkandidat. Und ganz nebenbei ließ er seine Anhängerschaft konsequenter Weise auch noch dafür stimmen, den Verein dazu zu zwingen, ihn aus dem Topf der Vereinskasse durchzufüttern. Noch einmal ganz deutlich: Vogt tat und tut, was die Ultras von ihm verlangen. Dafür wird er nun dank ihres Stimmviehs aus Vereinsmitteln bezahlt. Wem hier die Worte Untreue oder Korruption in den Kopf kommen, dem mag ich in Anlehnung an das hervorragende englische Original der Serie "House of Cards" entgegnen: "You might very well think that; I couldn't possibly comment".
Anschließend ließ Vogt angesichts der nun geschaffenen Mehrheitsverhältnisse die Maske fallen und servierte - mal direkt, mal indirekt (Stichwort Wehrle) - jene ab, die es mit Hitz hielten und sahen, dass Vogt den VfB braucht - und dies umgekehrt absolut nicht der Fall war und ist. Im Gegenteil.
Der Witz ist, dass sich selbst solche handverlesene Claqueure inzwischen gegen Vogt wenden, weil sie sehen, welches Geistes Kind dieser Mann ist - was eigentlich alles aussagt. Wie für Hitz war es für sie eben nicht schwer zu sehen, dass der VfB für Vogt ein Selbstbedienungsladen ist - und sonst absolut rein gar nichts.
Unterdessen schauten sich die Ultras das Ganze an, diskutierten ein wenig darüber und beschlossen, dass es keine Alternative zu Vogt gibt, die weniger schädlich für den Verein und ihnen gleichzeitig (und darum geht es ihnen) blinde Unterwürfigkeit gegenüber ihren Belangen zu bieten bereit ist. Also beschlossenen sie, sich weitgehend herauszuhalten (keine Positionierung pro Vogt, weil sie um die allgemeine Stimmung unter den nicht-organisierten Fans, die immer noch die riesige Mehrheit bilden, wissen; keine Positionierung gegen Vogt aus genannten Gründen). Sie beschlossen also, dass ihre eigenen Pfründe und Privilegien wichtiger für sie sind, als eine geeinte VfB-Gemeinde und somit mittelfristig Wohl und Wehe des Vereins.
Und so kam es nun, wie es kommen musste: Alle sehen, wie die Titanic VfB mit ihrem unfähigen Kapitän Vogt, dessen zum Teil inkompetenter, zum Teil verschüchterter und zum Teil demotivierter Mannschaft und seinem Steuermann Wehrle in Richtung Eisberg schippert. Aber den Mund, den macht niemand aus den Reihen der Organisierten auf.
Das übernimmt indessen zunehmend die Presse. Einige bleiben immer noch dabei, Vogt den Ring zu küssen und alles schönzureden, wie es die vereinseigene PR-Abteilung von Vogts Gnaden nicht besser könnte (man höre sich nur Simeon Kramers peinliche und Fremdscham erzeugende sowie rhetorisch viertklassige Performance im ZVW-Podcast an). Der Großteil aber hat bereits den Daumen gesenkt, was man aus den Redaktionen von BILD, t-online und inzwischen sogar STN/STZ sickern hört, wenn man ein wenig in der Materie ist. Das halte ich als Journalist grundsätzlich für extrem bedenklich, da es der Presse nicht zusteht, Vereinspolitik zu machen. Dass diese aktuell allerdings aus kritischer Berichterstattung besteht und nicht als Kampagne daherkommt wie damals gegen Hitz nach dessen Brief, macht es erträglicher.
Schlimm dagegen ist, dass die Presse, also im Grunde (ja, ich weiß, der Sportjournalismus und die Vereine pflegen seit jeher ein inzestuöses Binnenverhältnis) Externe, nun den Job übernimmt, für den sich üblicherweise die mit selbst ausgestelltem Mandat vereinspolitisch wirkenden Ultras verantwortlich fühlen. Und die diesen Job bei Dietrich, Wahler, Mäuser und wem auch immer auch zweifellos übernommen hätten, jetzt aber aus Eigennutz schweigen. Sie haben mithin ihren eigenen Anspruch auf lange Zeit verwirkt, im Sinne des Vereins als relevante vereinspolitische Stimme ernstgenommen zu werden.
Ich habe hier seit Wochen nichts geschrieben, weil ich in dieser Zeit extrem viele Gespräche geführt habe und täglich überlege, einen sehr langen Artikel daraus zu machen, auch wenn das Medium, für das ich schreibe, normalerweise kaum Berührungspunkte mit dem VfB hat. Allerdings musste das gerade mal raus.
Auch ich habe mich heute beim Spiel gegen Mainz dabei erwischt, beim Elfer _für den Schützen_ mitgefiebert zu haben. Gegen meinen VfB. Weil ich, wie leider viele andere, die mir das mit blutendem Herzen erzählen, inzwischen so verzweifelt bin, dass ich nur noch einen (zumindest drohenden) Abstieg als Chance sehe, die feindliche Übernahme durch Parasit Vogt und seine Clique zu beenden (um sie präventiv abzuwenden, ist es bereits zu spät).
Das ist tatsächlich das Traurigste, das mir als Fan, der das Emblem dieses Vereins auf die Brust tätowiert trägt, je passiert ist. Ich will für meinen Verein sein. Immer. Und sofort. Aber das geht, so ehrlich muss ich angesichts meiner Gefühlslage, bedauerlicherweise erst dann wieder, wenn der Albtraum endet und wir, mit Mehltau bedeckt, das Kapitel Vogt abgeräumt haben.
Und dieser Tag wird kommen. Vielleicht später. Aktuell, so viel kann ich verraten, könnte es aber auch früher sein. Meine Freunde, gebt nicht auf. Geht nicht in die innere Emigration. Bleibt laut. Die Ultras werden es nicht für uns regeln. Diesmal müssen wir ran. Die Mehrheit. Die echten Fans, denen es um den Verein geht. Wir, die wir den VfB ausmachen und denen es um den Verein geht und nicht um sich selbst. Stark bleiben, durch jeden noch so wolkenverhangenen Himmel bricht früher oder später die Sonne.