@auswurf: Vieles richtig, was du sagst. Aber dieses Ei auf zwei Rädern ist eine optische Zumutung.

Der Massenkult ums Auto ist in Europa vor allem ein deutsches Phänomen. Schau dich in Frankreich, Holland oder Dänemark um: Die Leute dort verdienen nicht unbedingt weniger, als hier in D, aber ihre Autos sind alle eine Nummer kleiner.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen haben die Konzerne sich ihre Kunden gut erzogen und dann gibt es da auch noch die steuerbegünstigten Dienstwagenflotten und vieles anderes mehr, was den Absatz dieser Wagen ankurbeln soll. Viele der E-Klassen, A6 oder 5-er BMW, die da über die Autobahn fahren sind Dienstwagen. Ihre Besitzer würden sich privat zumeist ein kleineres Auto kaufen. Aber hier geht es um das Prestige. Wenn der Chef nun käme und sagte:“ Ab morgen fährst du einen Polo, das reicht auch“, wäre das objektiv vielleicht richtig, aber für den Betroffenen ein Kündigungsgrund.
Vor ein paar Wochen las ich, dass 80 Prozent aller in Deutschland zugelassener A6 zu irgendwelchen Firmenflotten gehören. Das Geschäft scheint sich also zu lohnen. So lange dies so bleibt, wird sich an der Modellpolitik der Autohersteller wenig ändern. Die wären ja blöd. Diese Übermotorisierung hat also Gründe.
Wenn ich mich so in der Nachbarschaft umschaue, steht da Tonnenweise unnötiger Stahl. Mein Nachbar zur rechten hat ein SUV für sich, einen Mittelklassewagen für die Frau, einen etwas größeren Kleinwagen für die Tochter und einen Smart für den Sohn, der erst kürzlich den Führerschein gemacht hat. Gegenüber stehen ein E-Klasse Kombi, ein C-Klasse Cabrio, eine C-Klasse Limousine und seit neuestem ein Golf. Gut, Vater und der ältere Sohn arbeiten bei Daimler. Der jüngere Sohn fängt dort bald mit seiner Ausbildung an und hat auch erst seit Kurzem den Führerschein. Deswegen der Golf.
Ich könnte die ganze Straße abklappern, vor jedem Haus stehen mindestens zwei Autos. Was für ein ökonomischer und ökologischer Unsinn. Ich einige mich mit meinen Kindern, wer wann das Auto braucht. Das ist kein Problem. Wirklich gebraucht, im Sinne von unbedingt benötigen, wird die Kiste ja nur selten. Das ist in meiner Familie nicht anders als bei den Nachbarn. Aber dort stehen eben mehrere Karren rum.
Das ist das zweite Problem. Die schiere Masse. Die Hälfte aller Autos in Deutschland könntest du getrost verschrotten, ohne dass es für die Betroffenen einen Einfluss auf ihre Lebensqualität hätte.
Und Nummer drei: Mein Auto ist dreizehn Jahre alt. Damit dürfte es mit das älteste in der Straße sein. Und wenn du dich in Stuttgart umschaust, wirst du das gleiche Phänomen sehen. Die Wagen sind selten älter als zehn Jahre. Das ist verrückt. Klar, irgendwann werden sie nach Osteuropa oder Afrika verkloppt. Aber ich weiß, mit meiner Kiste sind relativ problemlos 500-600.000 Kilometer drin. Vielleicht auch mehr. Nur wird ein solches Auto mit etwa 300.000 km auf dem Buckel verschrottet. Dann sind die Sitze durchgesessen, der Aschenbecher voll und anderes. Nichts, was man nicht ohne vertretbaren Aufwand reparieren könnte. Was für eine Verschwendung.
Als ich die Karre vergangenes Jahr gekauft habe, hatte sie 200.000 Kilometer auf dem Tacho. (Ihr Vorgänger, ebenfalls ein V8 einer anderen Marke hatte 700.000 km hinter sich, dann war der Motor echt am Ende) Ich fahre so etwa 30.000 pro Jahr, sie wird also wohl noch 10 Jahre halten, inwieweit sich der Umbau auf Gas auf die Laufleistung auswirkt, weiß ich noch nicht. Das wird sich zeigen. Die downgesizeten Turbomotoren halten sicher nicht ganz so lange, aber das Problem bleibt das gleiche.
Die Reduzierung der Autodiskussion auf SUVs oder andere großmotorige Autos ist also etwas unterkomplex. Aber klar ist, dass der Verbrennungsmotor eigentlich ein Stück für das Museum ist. Ich würde jedoch behaupten, dass die e-Autos nur ein Zwischenschritt zum Wasserstoffantrieb sind. Zumal Redblues Einwand mit der Umweltproblematik der Akkus nicht von der Hand zu weisen ist.
Die Diskussion um meine automobilen Vorlieben muss ich öfter mit Freunden oder Bekannten führen, die dann stolz mit ihrem neuen Aschenbecher vorfahren und mir erklären, wie ökologisch sinnvoll ihre plug-in-turbo-Dreizylinder-Dingenskirchen seien und was ich für ein Fossil sei. Das ist mir egal, denn nach vier oder fünf Jahren wird für die Damen und Herren dann ein neuer noch ökologischerer Wagen gebaut und dadurch Ressourcen verschwendet. Ab dann stehe ich mit meinem Achtender plötzlich entschieden besser da, was die Ökobilanz betrifft. Und ich habe noch mehr Spaß dabei gehabt, denn ich musste das asthmatische Röcheln ihrer kleinen Motoren nicht ertragen.
Natürlich sind so große Autos Quatsch. Brauchen tut die kein Mensch. Ich auch nicht. Aber sie sind da und deswegen fahre ich sie. Und wenn die V8 irgendwann verboten werden, weil sie zuviel Abgase produzieren. Nun, dann habe ich damit auch kein Problem. Dann hole ich mir eben einen Zwölfzylinder. Ich bin da flexibel.
