Leider keine Satire.
„Durch den Austausch mit unseren Kunden, habe ich gelernt, dass sich viel mehr Menschen mit dem Wort Nazi identifizieren, als ich dachte“, schreibt der Unternehmer.
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 91856.htmlSupermarkt zieht Anti-Nazi-Werbung zurück
Die Supermarktkette Simmel warb in Sachsen mit dem Slogan „Für Demokratie. Gegen Nazis“. Nach Kundenprotesten wurde die Werbung zurückgezogen. Was ist da los?
Es ist eine Selbstverständlichkeit, auf die die ostdeutsche Supermarktkette Simmel in einem Werbeprospekt hingewiesen hat. Über den Angeboten für Hackfleisch, Schweinegulasch, Rinderschmorbraten und Lachsrolle findet sich der Name der Kette, der i-Punkt ist groß, rot und darin steht: „Für Demokratie. Gegen Nazis.“ So weit, so unspektakulär, möchte man meinen. Doch nicht so in Sachsen. Hier musste das Unternehmen seine Werbung nach Protesten zurückziehen. Aber von vorn.
Peter Simmel ist mit seinem Unternehmen in Sachsen, Thüringen und Bayern aktiv. Der 64 Jahre alte Händler beschreibt sein Unternehmen auf der Internetseite als ein selbständiges, familiengeführtes Unternehmen. Er ist genossenschaftliches Mitglied der Edeka-Gruppe und betreibt zwei Dutzend Edeka-Märkte und hat mehr als 1000 Angestellte. Edeka selbst warb immer wieder für Weltoffenheit: In einem Video aus dem Jahr 2017 zeigt das Unternehmen einen Supermarkt, in dem es nur deutsche Produkte gibt – die Regale waren leergefregt. „Dieses Regal zeigt: Wir wären ärmer ohne Vielfalt“, untertitelt Edeka das Video und schreibt: „Wir lieben Vielfalt.“
AfD-Stadtrat droht mit Boykott
Auf diesen Zug wollte Simmel offensichtlich mit seinem Prospekt für die Woche vom 29. Januar bis zum 3. Februar aufspringen. Doch nach unzähligen Beschimpfungen, weil er sich gegen Nazis ausgesprochen hatte, zog er die Werbung wieder zurück. In einem Statement entschuldigte er sich – und wird auch dafür kritisiert. Dabei sprach Simmel nur Offensichtliches an: dass man gegen Nazis sei und für die Demokratie. In Sachsen verletzt das aber offensichtlich die Gefühle der Menschen, wie Simmel selbst auf der Internetseite des Unternehmens schrieb. Viel eher haben sich wohl einige ertappt gefühlt und mit Schaum vor dem Mund Boykottaufrufe gestartet.
Die Alternative für Deutschland (AfD), deren Landesverband in Sachsen als „gesichert rechtsextremistisch“ gilt, fühlte sich mit dem Begriff „Nazi“ ganz offensichtlich angesprochen – anders ist nicht zu erklären, warum die Partei die Aktion kritisierte. In einer Mail, aus der die „Freie Presse“ zitiert, drohte der AfD-Stadtrat Heiko Gumprecht mit Boykott. Er schreibt, man würde „Andersdenkende“ damit ausgrenzen. Gumprecht verlangte in seinem Schreiben an Simmel eine Rückantwort, „damit wir gegebenenfalls unsere Mitgliedschaft, Unterstützer und Wähler entsprechend informieren können, welches Geschäft sie in Zukunft meiden sollten“. Auf den Zug sprang auch die ebenfalls rechtsextremistische Partei „Freie Sachsen“ auf, die bei einer Protestaktion in einem Supermarkt die Wagen vollräumten, vor die Kasse schoben und nicht bezahlten. Im Internet feierten die Rechtsextremen ihren Protest als „kreativ“.
Bedauern über den Rückzug
In einem Statement auf der Internetseite erklärte Simmel, es tue ihm leid, dass sich so viele Menschen angesprochen gefühlt hätten, die lediglich mit der Politik der Bundesregierung nicht einverstanden seien. „Durch den Austausch mit unseren Kunden, habe ich gelernt, dass sich viel mehr Menschen mit dem Wort Nazi identifizieren, als ich dachte“, schreibt der Unternehmer. Dabei schreibt Simmel selbst: „Nach meinem Verständnis sind Nazis Rechtsradikale, welche unsere Demokratie abschaffen wollen, die Hitlerzeit verherrlichen und in ein solch menschenverachtendes System zurückwollen“, sagt er, „in ein System, in welchem Andersdenkende oder Menschen, die nicht bestimmten Vorgaben entsprachen, verfolgt und ermordet wurden.“
In einem Mitarbeiterschreiben, das im Internet kursiert, gibt er als Grund aber auch den Schutz der Mitarbeiter als Grund für die Zurückziehung des Prospekts an: Er bittet bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um Verzeihung, „welche sich von unseren Kunden teilweise Beschimpfung oder gar Drohungen anhören mussten“. Gleichzeitig schreibt Simmel aber auch klar: „Viele Schreiben, die ich erhalten habe, besorgen mich aber auch sehr, weil darin unsere Demokratie in Frage gestellt wird. Demokratie abschaffen hatten wir schon mal, und das hat in einer Katastrophe geendet.“
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"In this world there's two kind of people: Those who have loaded guns and those who dig. And you dig."