Geheimbrief an DFB und DFL: VfB für lokale StadionverbotshoheitKurz vor der Sportministerkonferenz auf Norderney, die an diesem Donnerstag beginnt, hat sich der Ton in der Debatte rund um eine zentrale Fachaufsicht für Stadionverbote verschärft. Schon bevor die Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, und Sachsen, Armin Schuster, via kicker-Interview ihren Unmut über zu wenig Bewegung bei den Klubs kundgetan hatten, hatte der VfB Stuttgart ein Schreiben an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gesendet.
In dem Brief an DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Co-Geschäftsführer Dr. Marc Lenz, der dem kicker exklusiv vorliegt, formuliert Alexander Wehrle, der Vorstandsvorsitzende des Bundesliga-Vierten, "auf den letzten Metern weiterhin Bedarf für grundlegende Anpassungen". Den Schwaben geht es konkret darum, die finale Entscheidungsgewalt für Stadionverbote weiter bei den Gremien vor Ort zu behalten und nicht, wie zum Teil von der Innenministerkonferenz (IMK) zunächst gefordert, in einer zentralen Kommission. Die Fachaufsicht beim DFB mit vier stimmberechtigten Mitgliedern und fünf beratenden soll dafür sorgen, dass Stadionverbote zukünftig standortübergreifend, einheitlich und transparent ausgesprochen werden oder eben nicht ausgesprochen, aufgehoben, reduziert oder ausgesetzt werden.
Dieser Vorschlag könne nach Darstellung der Stuttgarter nur funktionieren unter Einbeziehung lokaler Stadionverbotskommissionen. Wehrle verweist dabei auch auf Entscheidungen des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts und plädiert weiterhin für eine klare Einzelfallbewertung (

). Die Einführung einer zentralen Fachaufsicht sei nachvollziehbar, wenn sie zuständig sei für "die übergeordnete Kontrolle und das Monitoring der von den Klubs vor Ort durchgeführten Stadionverbotsverfahren (…) mit dem Ziel, bundesweit vergleichbare Verfahrensstandards sicherzustellen".
Einzelfalleingriffe würden "zu einer Delegitimierung der an den allermeisten Standorten gut funktionierenden und weithin akzeptierten Praxis führen", eine "(Neu-)Bewertung von Einzelfällen durch die Fachaufsicht halten wir für problematisch". Vor Ort ist in Wehrles Augen die größere Fach- und Beurteilungskompetenz vorhanden. Eine Neufassung der Richtlinien, um verschiedene betroffene Bereiche wie Sicherheit, Veranstaltungsmanagement und Fanwesen einzubeziehen, begrüßt der VfB hingegen...
Diskussionspunkt zwischen Verbänden und Politik ist die Eingriffsschwelle der Fachaufsicht. Zündstoff birgt dabei, dass an einigen Standorten wohl gar keine Stadionverbote mehr ausgesprochen werden. Was die Eingriffsschwelle angeht, war zunächst nur vom "begründeten Einzelfall" die Rede. Nun soll es um eine "klare und offensichtliche wesentliche Nichteinhaltung von Bestimmungen" gehen. Auch hier bezieht Wehrle Stellung und erklärt, dass man eine Bezugnahme auf unbestimmte Tatbestände ohne Konkretisierung ablehne, nicht zuletzt um der Rechtsprechung zu genügen (

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