Ich finde diese Rollengespräche gut.
Jeder weiß, was seine Aufgabe ist, auf dem Platz & daneben. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass es Spielraum gibt: Ersatzspieler sollen motiviert bleiben, Stammspieler nicht bequem werden. Es kann eh alles passieren, Verletzungen zum Beispiel. Wahrscheinlich hat Nagelsmann die Gespräche auch so geführt; klar definiert, aber eben auch ein Stück weit offen in beide Richtungen.
Mich wundert es dann, dass er beim Thema Undav so unsouverän & dünnhäutig reagiert. Fast wie Manuel Hagel... Dabei war es doch absehbar, Nagelsmann hat selbst - genervt - gesagt, dass Undav jetzt eine Woche lang das große Thema war. Dazu ein Heimspiel, die vielen Sprechchöre, das absolute Abfeiern nach dem Last-Minute-Siegtreffer vor der eigenen Kurve... Ist doch klar, dass dann alle überdrehen. Auch Undav, der vielleicht nicht seinen Trikot-Namenszug-Zeige-Jubel hätte machen müssen. Aber wie gesagt: In der situativen Emotion verständlich. Und die Mitspieler haben ihn ja auch gefeiert. Rüdiger kam extra von hinten angerannt und hat den Bizeps-Jubel mit ihm gemacht.
Im Team scheint er akzeptiert und gemocht. Vom Trainer halt nicht. Ein souveräner Trainer hätte sich über das Tor gefreut, alles andere weggelächelt und dann das Thema gewechselt und Undavs Lanze-brechen für Sané gelobt.
Stattdessen hat er Undav regelrecht gemobbt. Nagelsmann hatte eine Woche Zeit, er wusste, dass das in Stuttgart nochmal extra hochkocht - und dann ist seine Herangehensweise, den Spieler schlecht zu machen? Wow.
Drei Mal hat er seine Botschaft platziert, Undav könne nicht über 90 Minuten Leistung bringen. Vor dem Spiel, nach dem Spiel bei der Esther und dann nochmal bei der offiziellen PK am Ende. Dazu zwei Mal - bei Esther und in der PK - die Lüge, dass Undav nur diese Aktion beim Tor hatte. Eine Lüge. Warum macht er sowas? Wie klein kann man sein?
Wenngleich Undav gestern tatsächlich nur 13 Ballkontakte hatte. Ich fand ihn deutlich Strafraum-fixierter als beim VfB. Ob das an Nagelsmanns Vorgaben lag oder daran, dass Undav ein Tor erzwingen wollte, weiß man leider nicht. Gegen letzteres spricht, dass er Bälle zu Mitspielern durchgelassen oder andere in Szene gesetzt hat. Aber so etwas unterschlägt Nagelsmann, jedenfalls bei Spielern, die er nicht mag.
Okay, jeder Trainer hat
seine Spieler, auf die er für
seine Idee setzt. Es wäre nur schön, wenn ein Bundestrainer das souveräner & ehrlicher kommunizieren würde.
Ich bin zum Beispiel auch bei ihm, wenn er sich gegen Stiller entscheidet. Wenn Pascal Groß als Ersatzspieler einen größeren Mehrwert fürs Team hat, ist es richtig, dass er ihn vorzieht. Allerdings muss er ihn dann auch einsetzen, wenn der Fall der Fälle eintritt. Bei der WM kann er Stiller nicht spontan für ein Spiel nachnominieren.
Aber gut, er hat Stiller in diesen zwei Spielen nochmal zwei Chancen gegeben. Ich gehe davon aus, dass es für Nagelsmann zu wenig war und dann ist es eben so. Pascal Groß wird sicher genau so viel oder wenig bieten, wenn er im Sommer tatsächlich gebraucht wird.
Wer sicher nicht gebraucht wird: Josha Vagnoman. Ist leider so. Eigentlich war ich ein Fan davon, Kimmich zurück ins MF zu holen, neben Pavlovic, super eingespielt. Und rechts hinten bitte kein offenes Scheunentor mehr. Insofern hätte man fast jeden deutschen RV nominieren und ihm eine klare, überschaubare Aufgabe geben können: "Mach einfach deine Seite dicht." Nun, Vagnoman hat sich gleich zwei Mal vernaschen lassen. Beim ersten Mal weiß ich nicht, von wem. Beim zweiten Mal war es Derrick Köhn von Union Berlin. Nicht Semenyo von Man City. Sorry, das reicht so nicht. (Zum Glück hat schwaebi das nicht gesehen, weil sie vor Begeisterung eingeschlafen war.

) Vielleicht Brown auf rechts, weil er das bei Eintracht auch öfter spielt und links eh Raum gesetzt ist? Oder halt der Taktikkniff "Scheunentor" mit Kimmich, was soll's.