SC hat geschrieben:Ich würde das gerne mal anders umschreiben. Seit 2007 zeigt die Schnauze unseres Fliegers nach unten. Sturzflug und Aufprall ist vorprogrammiert. Seitdem spielen wir im Cockpit "Reise nach Jerusalem". Ein Trottel nach dem anderen zerrt am Steuerknüppel und man wundert sich, das nichts passiert.
Echte Ursachenforschung würde vielleicht offenbaren, dass die Turbinen ausgefallen sind, kein Kerosin getankt wurde, oder die Steueranlage defekt ist. Aber der Passagierraum brüllt von hinten, dass man den Vogel halt "Hochziehen!" muss. (Gell, die Panik kann man schon nachvollziehen, ist aber nicht hilfreich.)
Absolut.
Ernsthafte Ursachenforschung hat man da nie wirklich betrieben.
Schon 2-3 Jahre nach der letzten Meisterschaft hätte man konstatieren müssen, dass der Großteil der Erlöse aus CL und lukrativen Spielerverkäufen mit zu wenig sportlichem Gegenwert aufgewogen wurde. Bereits da hätte man sich fragen müssen, ob der eingeschlagene Weg, vornehmlich auf überteuerte, vermeintlich "fertige Spieler" zu setzen, der Richtige ist.
Hätte eine Analyse nicht ergeben, dass der VfB immer nur dann gut gefahren ist, wenn er mit eigens herangezogenen Spielern, die eine gewachsene Einheit bilden, aus einer gewissen Geschlossenheit heraus agiert hat. Dass es -ergo- weit sinnvoller wäre, die Nachwuchsarbeit dtl. stärker zu gewichten und dem Verein eine nachhaltige Spielphilosophie zu geben. Das wiederum hätte es mMn auch leichter gemacht, gezielt hochbegabte Leute von außen hinzu zu holen. In dem man genau weiß für welche Position man sucht und welche (hard und soft) Skills der Spieler mitbringen muss, damit daraus am Ende ein für beide Seiten prosperierendes Verhältnis erwachsen kann.
Wie Du richtig sagst, hechelte man aber wieder mal hektisch und ohne nachhaltige strategische Ausrichtung dem schnellen Erfolg hinterher ... oder besser gesagt, dem hehren Ziel, den erreichten Erfolg zu stabilisieren. Und da komme ich immer wieder zum selben Schluss. Beim VfB wusste man schon immer wo man stehen will, hatte aber nicht das Handwerkszeug und die Kompetenz dorthin zu gelangen. Kohle spielte bei uns ja in den seltensten Fällen eine große Rolle, daher ja auch die kürzlich kolportierte Erkenntnis das der VfB kein Mittelherkunftsproblem hat. sondern eines der Verwendung. Hat eine Dekade und einen dreistelligen Millionenbetrag gebraucht um das zu erkennen. Wow. In welcher Branche geht das sonst noch? Glaube in keiner anderen wäre es möglich, so viel Asche von so viel unzulänglich kompetenten Playern in so kurzer Zeit zu verbraten. Um dann zu einem anderen Verein weiterzuziehen und neues Spielgeld in die Hand zu bekommen. Schon pervers irgendwie...
Will sagen: Nicht immer liegt es in der Unfähigkeit der handelnden Leute, schon gar nicht so oft, wie das hier die Diagnose zu sein scheint. Den Dietrich will ich hier auch nicht mehr, aber den Haas, den Staudt hätte ich gerne behalten und auch Wahler hätte von mir noch mehr Zeit bekommen, damit das was er eingeleitet hat auch fruchten kann... So kam der Mäuser'sche, der Wahler'sche und jetzt auch noch der Dietrich'sche Strukturwandel.
Der Wahler'sche Strukturwandel beginnt ja jetzt erst zu greifen. Von daher bin ich bei Dir, dass diese Frequenz an "Wandel" für keine Unternehmung gut sein kann. Mäuser war jedoch weder fachlich noch charakterlich tragbar, bei Staudt, so glaube ich, wird auch Vieles von der Meisterschaft überstrahlt, obgleich er sicher nicht zu den schlechteren Präsidenten gehört. Wahler hätte man in der Postbetrachtung seines Wirkens vllt. doch etwas mehr Zeit einräumen sollen, aber die Gesetzmäßigkeiten des Geschäfts haben das nun mal verhindert. Dietrich hingegen trägt das Stigma des Spalters, eine Sicht, die er sich mit dem Verhalten bei S21 "redlich" erworben hat und die er nun beim VfB fortführt. Er kann da nicht aus seiner Haut - und daher nimmt ihm auch kaum einer ab, bzw. traut ihm ernsthaft zu, "Präsident aller VfB'ler" sein zu können. Ein Präses der so polarisiert und sich damit fortwährend der medialen Beleuchtung aussetzt ist ist meinen Augen für dieses Amt nicht tauglich.
Aus Deiner beruflichen Erfahrung: Wie erfolgreich sind Unternehmen, die alle zwei bis drei Jahre den Boss austauschen? Meines Erachtens sind das einfach unglaubliche und unnötige Reibungsverluste. Wegen mir: Einmal richtig machen, einmal richtig tauschen, einmal sauber aufstellen, danach Vollgas geben und das dann auch durchziehen.
Dazu habe ich mich vorstehend ja schon geäußert.
Keine Unternehmung kann ohne kurz-, mittel- und langfristige Ausrichtung erfolgreich arbeiten. Wenn ich nicht weiß wo ich hin will und auf welchem Wege ich es am wahrscheinlichsten erreichen kann, dann kann es kaum was werden. Der Unterschied von meiner oder vielen anderen Unternehmungen ist, dass ich mit weit weniger finanziellem Headroom tragfähige Strukturen schaffen, mit mit Innovationen am Markt durchsetzen und bei Einkauf und Lohnkosten mit Augenmaß agieren muss. In der Belle Etage des Profifußball und somit auch beim VfB scheinen diese unternehmerischen Gesetzmäßigkeiten bisweilen ausgehebelt, da von irgendwo immer neues Spielgeld nach fließt. In nenne es bewusst Spielgeld, denn anders kann man den teils sorglosen Umgang doch gar nicht erklären.
Aber wer übernimmt eigentlich die Personalauswahl für diese Position? Früher ein bähmulliger Ehrenrat? Heute der Vereinsbeirat oder der Aufsichtsrat?
Das ist ein echtes Problem ja. Nur gute Leute bestellen gute Leute.
Und nur gute Leute fühlen sich zuallererst der Aufgabee verpflichtet und nicht dem eigenen Geldbeutel, der Eitelkeit, des Geltungsbedürfnis, etc. p.p.
Sicher wollen diese Leute auch angemessen bezahlt werden, aber das ist ja auch völlig legitim, wenn die Unternehmung an sich sukzessive wächst und gedeiht.
Nur bei uns war es halt in der letzen Dekade so, dass man mit viel finanziellem Aufwand ein "macherbezogenes Trial & Error" aufgezogen hat, ohne die Unternehmensentwicklung betrachtende, evaluierende Instanzen, ohne nachhaltigen, strategischen Überbau ... kurz gesagt ein Verein "ohne Gesicht" und ohne erkennbare Marschrichtung, für was er steht und wo er hin will.